Wohnmobil fahren für Anfänger: So seid ihr sicher unterwegs

Wohnmobil fahren für Anfänger: So seid ihr sicher unterwegs

Mit gutem Gefühl in die Breite gehen? Das könnt ihr im Wohnmobil sogar kilometerweit. Und grenzenlose Freiheit nehmt ihr gleich mit. Aber ist es schwer, ein Wohnmobil zu fahren? Vielleicht gehört auch ihr zu den Camper-Neulingen, die dieser Frage mit Respekt begegnen. Denn natürlich bewegt ihr euch mit dem Wohnmobil in anderen Dimensionen. Da sind die Höhe, die Breite, das Einparken, der Bremsweg und viele Details, an die ihr euch erst gewöhnen müsst. Was es zu beachten gibt und wie ihr euch auf die erste Tour mit dem Wohnmobil vorbereiten könnt, zeigen wir euch hier.

1. Wohnmobil fahren für Anfänger: Die Basics

Wohnmobile fahren durch Neuseeland

Mit welchem Führerschein darf ich ein Wohnmobil fahren?

Wenn ihr euren Führerschein vor 1999 gemacht und somit einen Führerschein der alten Klasse 3 habt, dürft ihr Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen fahren. Mit dem neuen Führerschein der Klasse B dürft ihr Wohnmobile bis 3,5 Tonnen fahren. Möchtet ihr mit einem schwereren Modell verreisen, müsst ihr die Prüfung für einen Lkw-Führerschein ablegen.

Aber keine Sorge: Die meisten Mietwohnmobile sind in der Regel nicht schwerer als 3,5 Tonnen. Euer Führerschein der Klasse B reicht also meist völlig aus.

Wie schnell darf ich mit einem Wohnmobil fahren?

Für Wohnmobile, die nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen, gelten meist dieselben Geschwindigkeitsbegrenzungen wie für andere Pkw (falls nicht anders angegeben).

Was mehr als 3,5 Tonnen wiegt, muss sich in Deutschland an die Lkw-Verkehrsregeln halten. Das heißt, dass ihr die 100 km/h nicht überschreiten dürft. Beachtet auch Verkehrsschilder, die ein Lkw-Überholverbot signalisieren. Auf Rastplätzen müsst ihr die Lkw-Parkplätze nutzen, selbst wenn euer kompakter Camper in eine Pkw-Bucht passen würde.

2. Einsteigen und anschnallen: Die erste Fahrt mit dem Wohnmobil

Frau sitzt hinter dem Steuer von einem Wohnmobil und fährt durch Island

Der Campingurlaub ruft und mangelnde Fahrerfahrung sollte hier absolut kein Hindernis sein. Mit etwas Vorbereitung könnt ihr der ersten Fahrt mit dem Wohnmobil gelassen ins Auge blicken. Bevor ihr startet, macht ihr euch zunächst mit dem Fahrzeug vertraut. Los geht’s!

Checkt das Fahrzeug von innen

Stellt den Fahrersitz so ein, dass eurer Rücken von der Rückenlehne gestützt ist. Die Pedale solltet ihr voll durchtreten können, die Knie sind dabei leicht angewinkelt. Richtet die Außenspiegel passend für euch aus und betrachtet den Winkel, den die Spiegel auf der Fahrbahn abdecken.

Tipp

Testet die Gangschaltung, Blinker, Scheibenwischer und probiert auch das Navigationssystem sowie das Radio vorher aus – dann müsst ihr nicht während der Fahrt an Knöpfen und Buttons pfriemeln.

Betrachtet das Fahrzeug von außen

Die gute Nachricht vorweg: Ein Camper ist groß, sodass ihr von den anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern nicht übersehen werdet. Checkt jedoch unbedingt die genauen Maße des Wohnmobils. Empfehlenswert ist es, einen Zettel aufs Armaturenbrett zu kleben, damit ihr die Höhe und Breite immer direkt im Blick habt. So geratet ihr nicht in stressige Situationen, wenn ihr in Parkhäuser, auf Fähren oder Stellplätze fahren möchtet.

Gerade bei gemieteten Fahrzeugen wird das Dach bei der Rückgabe genau inspiziert und nach Kratzern abgesucht. Auch in Baustellen seid ihr entspannter unterwegs, wenn ihr die Fahrzeugbreite genau kennt.

Üben, üben, üben

Schnappt euch das Wohnmobil und fahrt auf einem Parkplatz zum Üben – am besten voll beladen, denn der längere Bremsweg ist nicht zu unterschätzen. Ist eine zweite Person zur Stelle, kann sie von der Straße aus betrachten, wie weit das Wohnmobil in Kurven ausschwenken muss und mit welchem Wendekreis zu rechnen ist.

3. Nur die Ruhe: Stressfreies Einparken mit dem Camper

Parken mit dem Wohnmobil in einer Stadt

Ihr könnt aufatmen – die meisten modernen Wohnmobile haben Rückfahrkameras und sind mit Sensoren ausgestattet. Trotzdem ist eine Hilfsperson zum Einweisen Gold wert, die euch mit Gesten die richtigen Abstände zeigt. Plant vor eurer Reise die Parksituationen ein und recherchiert die Möglichkeiten.

  • Gibt es einen großen Parkplatz direkt am Strand?

  • Könnt ihr für euren Altstadt-Trip ein Park & Ride-Angebot nutzen?

  • Sind die Parzellen des Campingplatzes klein bemessen oder großzügig?

Ganz gleich, welche Parkbucht euch erwartet: Lasst euch beim Einparken mit dem Wohnmobil nicht aus der Ruhe bringen – selbst wenn eine hupende Schlange hinter euch warten muss.

4. Wohnmobil beladen: Jedes Kilo zählt

Waage zeigt das Wohnmobil-Gewicht an

Braucht ihr das wirklich? Wenn ihr für eure Reise packt, achtet auf die Menge und das Gewicht. Das zulässige Gesamtgewicht (zGG) ist bei zehn Kisten Limo und 100 Dosen Ravioli schnell überschritten. Auch wenn es Staufächer in Hülle und Fülle gibt, müsst ihr nicht alles randvoll beladen. Lebensmittel könnt ihr wunderbar unterwegs kaufen, in etlichen europäischen Ländern werdet ihr gewohnte Discounter finden, in denen deutsche Marken erhältlich sind.

Nutzt den Stauraum gleichmäßig aus und verteilt das Gepäck optimal im Wohnmobil. Besonders gewichtige Stücke deponiert ihr tief unten zwischen den Achsen. Manche Wohnmobile sind dafür extra mit einem doppelten Boden ausgestattet. So könnt ihr die schweren Brocken sicher verstauen und der Camper ist gut ausbalanciert.

Achtung: Durch eine ungleichmäßige Zuladung der Heckgarage kann ein Ungleichgewicht entstehen und bei einem starken Brems- oder Ausweichmanöver zum Problem werden!

Wie kann ich Gewicht reduzieren?

Füllt vor der Abreise den Wassertank nicht vollständig auf. Die Wassertanks der Wohnmobile fassen meistens 80 oder 100 Liter. Wenn ihr mit einem leeren Tank fahrt, könnt ihr somit bis zu 100 Kilo Gewicht einsparen – und verbraucht auch weniger Sprit. Auf dem Campingplatz werdet ihr in jedem Fall einen Wasseranschluss finden, um den Tank zu befüllen.

5. Wohnmobil fahren üben: 6 Tipps für Fahrerinnen und Fahrer

Wohnmobil fährt durch einen Tunnel in den Schweizer Alpen

Höher, länger, breiter – und trotzdem sicher fahren? Wenn ihr mit dem Wohnmobil unterwegs seid, müsst ihr mehr Dinge berücksichtigen als beim Pkw. Deshalb kommen hier unsere Top-Hinweise, damit ihr ohne Kratzer ans Ziel kommt:

Achtung, Seitenwind: Auf Brücken oder bei starkem Wind kann der Camper aus der Spur geraten. Dafür sind die großen Seitenflächen verantwortlich. Lenkt nicht ruckartig, sondern vorsichtig dagegen und nehmt den Fuß vom Gas, um das Tempo zu verringern.

  1. Neuer Wendekreis:

    Ein Wohnmobil hat einen längeren Radstand als ein Pkw – das heißt, die Achsen liegen weiter auseinander. Somit ist auch der Wendekreis größer. Gerade beim Abbiegen müsst ihr hier gut kalkulieren: Wenn ihr nicht weit genug ausholt und zu früh einlenkt, touchiert ihr den Bordstein oder den Grünstreifen. Fahrt ihr den Bogen zu groß, kommt ihr dem Gegenverkehr in die Quere. Ihr werdet aber mit Sicherheit schnell ein Gespür dafür bekommen und euch an den neuen Wendekreis gewöhnen.

  2. Langer Bremsweg:

    Je schwerer das Fahrzeug, desto länger ist der Bremsweg. Haltet daher ein paar Meter mehr Abstand, damit ihr besser reagieren und das Wohnmobil sicher abbremsen könnt.

  3. Höhere Abmessung:

    Natürlich habt ihr Parkhäuser, Brücken und vielleicht Fähren auf dem Schirm. Aber denkt auch an Äste, Verkehrsschilder und vorstehende Dächer, die euer Camper streifen könnte.

Der wichtigste Tipp zum Schluss – achtet auf den toten Winkel. Auch bei der Fahrt mit dem Wohnmobil müsst ihr euch gut absichern. Im Camper ist der tote Winkel sogar noch größer als bei kleineren Fahrzeugen. Wenn ihr überholen möchtet, schaut ihr in die Außenspiegel und schwenkt ganz leicht aus. So seid ihr auf der sicheren Seite – viel Spaß beim Wohnmobil fahren!